2013-03-10

Wie ich auf die Maus kam

Seit wenigen Jahren bin ich absolut begeistert von Linux-basierten Betriebssystemen. Alles fing damit an, dass mein Notebook, gerade einmal 2 Jahre alt (1,7 GHz Intel Centrino, 2GB Ram) unter Windows XP dermaßen langsam wurde, dass es eine Qual war das gute Stück zu benutzen. Auf lange Sicht war klar, dass ein neues Notebook beschafft werden musste - und das nach nur 2 Jahren! Aber woher nehmen wenn nicht stehlen?

Nach diversen Versuchen Windows XP auf dem PC irgendwie schneller zu machen stieß ich auf einen Artikel über den aufsteigenden Stern am Linux-Himmel: Ubuntu. Was hatte ich zu verlieren? Linux hatte ich schon einmal mit 12 ausprobiert, als ein Freund und ich unsere ersten PCs aus Teilen vom Schrottplatz zusammen bauten. openSUSE und Knoppix waren mir noch gut in Erinnerung, ich hatte beide aber kaum länger als jeweils ein paar Wochen genutzt. Meist hielt die Knoppix-CD dann her wenn Windows einfach mal wieder streikte.

Das war schon seltsam. Warum sollte ich ein anderes Betriebssystem nutzen um mein Windows wieder in Gang zu setzen?

Ich las also weiter und weiter und beschloss Ubuntu Linux auszuprobieren. Ich war sofort fasziniert vom farbenfrohen und eleganten Design, noch dazu lief das ganze wunderbar flott und reagierte schnell - so als hätte ich ein komplett neues Gerät in den Händen. Dabei hatte ich das System noch nicht einmal installiert sondern probierte es nur von der Live-CD aus.

Ich sicherte also all meine Dateien und installierte Ubuntu Linux 9.04 (mit dem lustigen Beinamen "Jaunty Jackalope") kurzerhand auf eine leere Partition neben mein Windows XP. Nach nicht einmal 20 min war die Installation abgeschlossen, ich startete neu und konnte nun auswählen ob ich Ubuntu Linux oder Windows XP starten wolle.

Innerhalb von wenigen Sekunden saß ich vor der neuen Arbeitsumgebung (im Gegensatz zu 5 Minuten Startzeit (nicht übertrieben!) bei XP) und probierte dieses und jenes aus. Eines war mir allerdings schleierhaft: Wie zum Geier bekam ich meine Lieblingssoftware wie ICQ oder Thunderbird auf das Ding?

Für Thunderbird gab es nur ein "tar.gz" Paket, für ICQ gar keine Linux Version. Sämtliche mir bekannten Virenscanner boten ebenfalls keine Linux Versionen an. Ich wusste nicht was damit anzufangen war. Hätte ich nur das Internetportal ubuntuusers.de eher entdeckt! Dort nämlich gab es Antworten auf all meine Fragen.

Anwendungen wurden für gewöhnlich nicht irgendwo heruntergeladen sondern direkt über die Paketverwaltung der Distribution installiert - für Ubuntu hieß das Klick auf "Software-Center", Suche nach "Thunderbird", Klick auf "Installieren", fertig! ICQ gab es nicht, dafür aber war im Menü ein Programm namens Pidging zu finden das nicht nur ICQ sondern auch MSN, Jabber, Yahoo und sogar den Facebook-Chat unterstützte.

Ubuntu Software Center unter Xubuntu 12.10


Virenscanner gab es auf den ersten Blick keine, weil diese unter Ubuntu Linux schlichtweg nicht notwendig waren. Erstens gab es nur eine Hand voll Viren unter Linux, zweitens waren Linux Systeme erstklassig gegen solche Dinge abgesichert (und all das kostenlos).

Ich nutzte die nächsten Jahre also die durchweg flinke Distribution Ubuntu und schon bald flog Windows XP komplett von meiner Festplatte. Ich begann mich in der Community zu engagieren, das erstklassige Ubuntuusers-Wiki mit zu verbessern und zu erweitern und Ubuntu auch anderen nahe zu bringen.
Pidgin Multimessenger

Doch dann ging es bergab. Das einst so stabile und nahezu fehlerfreie Betriebssystem entwickelte sich für mich zu einer Katastrophe. Canonical entschied sich für Neuerungen und radikale Umbrüche ohne Ende. Gnome 2, die von mir so bewunderte Desktopumgebung, hatte seine besten Tage hinter sich und GNOME 3 war im Anmarsch. Ubuntu, damit nicht zufrieden, stampfte seine eigene Oberfläche, Unity, aus dem Boden.

Das war keineswegs schlecht, Modernisierung ist gut und wichtig und dennoch, für jemanden, der produktiv arbeiten wollte war das eine Katastrophe. Abstürze, Performance-Einbrüche usw. standen auf der Tagesordnung. Ich konnte das System keinem mehr guten Gewissens empfehlen, es war einfach nicht stabil genug.

Was nun? Zurück zu Windows? Auf gar keinen Fall. Ich hatte kein Bedürfnis mir auf dem Netbook eine Krankheit wie Windows 7 Starter anzutun oder mich ständig mit Viren herumzuschlagen. Probleme mit Spielen unter Linux gehörtern sein Steam für Linux und Humble Indie Bumble der Vergangenheit an. Es gab allerhand Alternativen. Ich probierte openSUSE, Fedora, Linux Mint, Debian usw. openSUSE war träge und von allem einfach zu viel, Fedora schlichtweg zu instabil, Mint war nicht schlecht, aber Cinnamon (eine Abspaltung von GNOME 3) einfach noch zu neu und MATE (eine Fortführung von GNOME 2) stand mir auf zu wackeligen Beinen. Debian war brutal stabil, aber in der stabilen Version hoffnungslos veraltet.

Nun blieb die Möglichkeit ein Geschwisterkind von Ubuntu zu probieren. Kubuntu setzte auf KDE und war ein regelrechter Augenschmaus, leider aber ebenfalls nicht stabil genug; Lubuntu war extrem flink aber nicht komplett ausgereift; Xubuntu setzte auf die Umgebung XFCE - und hatte eine kleine Maus als Logo.

Xubuntu 12.10 Desktop


Nun, Mäuse sind kleine, flinke Tierchen, und genau so präsentierte sich die neue Xubuntu 12.10 Quantal Quetzal Installation: schlicht, elegant und flink. Genau das wonach ich gesucht hatte.
XFCE Einstellungen
Der Weg war lang doch führte zum Ziel. Xubuntu ist das stabilste System und der beste Kompromiss zwischen Augenschmaus und Geschwindigkeit der mir in letzter Zeit untergekommen ist. Es ist einfach zu bedienen und hat in letzter Zeit starken Zulauf von Leuten bekommen die sich von GNOME3 und Unity verprellt fühlten. Bleibt nur zu hoffen, dass Canonical sich nicht so weit von Debian entfernt, dass Xubuntu auf der Strecke bleibt und sich eine neue Basis suchen muss. Wir werden sehen.

Für die nächsten Jahre ist Xubuntu vermutlich DAS Betriebssystem für alle die auf der Suche nach Stabilität, einer einfach zu bedienenden Oberfläche und der besten Erfahrung die freie Software bieten kann, sind. Bis eines Tages Unity und GNOME 3 komplett ausgereift sind, werde ich jedenfalls nichts anderes mehr empfehlen.
Dateimanager Thunar

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