2015-09-01

Angsthasentum im Schlaraffenland

Üblicherweise poste ich hier immer mal wieder Artikel zu Software-bezogenen Themen. Heute sehe ich mich aber gezwungen mal ein ganz anderes Thema anzuschneiden.

Zelte für Schutzsuchende in der Türkei


Dass große Teile der Welt immer wieder in Krieg versinken ist nichts neues. Wer Schuld daran ist und warum es vorerst immer so weiter gehen wird, das lassen wir hier mal außen vor. Es sei nur so viel gesagt: unser Luxus ist mit der Armut vieler anderer erkauft.

Wir sehen Filme, lesen Bücher und bewundern die Helden in Geschichten. Nicht selten wünscht sich ein jeder von uns mal ein Held zu sein, der Gefahr ins Gesicht zu lachen und jedem Widerstand zu trotzden. Wir wollen die Schwachen beschützen und das Böse besiegen.


Jeden Tag bekommen wir von Neuem die Möglichkeit Helden zu sein, ohne uns dafür eine Rippe heraus zu reißen. Doch die diffuse Angst vor dem, was eventuell irgendwann passieren könnte, hält uns ab. Der kleinliche Gedanke daran, irgendetwas könne sich für uns ändern, hindert uns.

Als die Welt in den 1930ern im Chaos versank, floh halb Europa vor der Nazimacht, welche für Deutschlands Nachbarländer den dunklen Heerscharen eines finsteren Dämonenlords glich. Doch wir alle wissen, dass die deutschen Soldaten zum großen Teil ganz normale Menschen waren, die deutsche Bevölkerung sich durch Schürung zielloser Ängste instrumentalisieren ließ. Die meisten sahen einfach zu um nur nicht selbst in Gefahr zu geraten.

Während des Krieges und auch danach nahmen nahe und ferne Länder Flüchtende auf, und damals wie heute war man skeptisch, denn "die Deutschen" mussten doch alle Nazis, Mörder und Monster sein. War es denn nicht möglich, dass sich unter den "echten" Flüchtlingen auch hochrangige und gefährliche Nazis davonstahlen?

Natürlich war das möglich und wie wir wissen geschah es auch in großem Maße, doch wäre es eine Katastrophe gewesen, wenn man deswegen alle Flüchtlinge kategorisch abgewiesen hätte.

So wie die Nachkriegsgenerationen ihren Eltern und Großeltern vorwarfen wie sie dieses unendliche Grauen nur hatten zulassen können, so werden wir uns eines Tages unseren Kindern und Enkeln stellen müssen, wenn sie uns fragen wie wir tatenlos Teil der größten unterlassenen Hilfeleistung der Menschheitsgeschichte sein konnten? Wie wir nur Zehntausende im Mittelmeer ertrinken lassen konnten.

Was werden wir antworten? Wir hatten Angst, dass diese Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzten um bei uns um Schutz zu bitten, uns ihre Religion aufzwingen würden? Wir glaubten, jemand der ein Smartphone besitzt könne unmöglich von einer Kugel getroffen werden, Hungers sterben oder im Meer ertrinken? Uns war es wichtiger gewaltige unterirdische Bahnhöfe, ungenutzte Flughäfen und unfassbar teure Opernhäuser zu bauen? Wir wollten nicht, dass Flüchtlinge die hier nicht arbeiten dürfen genau so viel Geld bekommen, wie Einheimische denen über Phasen der Arbeitslosigkeit hinweggeholfen wird? Wir erschauderten bei dem Gedanken, dass Männer, die es unter Einsatz ihres Lebens hier her geschafft hatten, ihre von Tod und Gewalt bedrohten Kinder und Frauen nachholen würden?

Sie würden uns fragen: Wie konntet ihr zulassen, dass Menschen, die bei euch Schutz suchten angegriffen, angefeindet und erniedrigt wurden?

Was würden wir uns selbst in 100 Jahren fragen? Worauf würden wir auf unserem Sterbebett zurück blicken?

Auf einen ganzen Haufen kleingeistiger Feiglinge. Denen ihr eigenes Wohlergehen wertvoller ist als das von 1000 anderen Menschen.

Wir werden der Menschheit nicht als Helden in Erinnerung bleiben, sondern als kaltblütige Monster und Unmenschen.


Darum rufe ich euch auf: geht in euch und fragt euch wie ihr euch selbst sehen wollt, fragt euch, was ihr von jemandem erwarten würdet, den ihr in größter Gefahr um Schutz bittet, fragt euch ob es wirklich so schlimm wäre, wenn ihr etwas von eurem Luxus abgeben müsstet.

Macht euch euer eigenes Bild! Sucht Gruppen in eurer Gegend und fragt wie ihr helfen könnt. Geht auf die Menschen zu und reißt die Mauern des Unbekannten ein. Schreitet ein, wenn augenscheinliche Fremde in der Öffentlichkeit angepöbelt und beleidigt werden und fordert Umstehende auf euch zu helfen. Sprecht mit den Menschen in eurer Familie und im Freundeskreis darüber, wenn ihr merkt, dass sie sich ihren Ängsten hingeben! Scheut euch nicht Volksverhetzung zur Anzeige zu bringen. Stellt rechte Hassprediger zur Rede.

Das Abendland geht unter wenn unsere Werte wie Nächstenliebe, Freiheit und Menschenwürde von uns mit Füßen getreten werden.

Heißt Schutzsuchende Willkommen - Refugees Welcome

http://www.ichhelfe.jetzt/
(Steht in keinerlei Verbindung mit diesem Blog)

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